1810
- ?
Du glühend Herz, was schlägst du Fieberbange?
Raubt Liebessehnsucht dir den gold’nen Frieden?
Ermanne dich! Die mich so lang’ gemieden,
Die Phantasie naht mit dem Zauberklange.
Ich grüße dich mit heiligem Gesange;
Du winkst, und Liebe athmen Eumeniden.
Die Wüste wird zum Hain der Hesperiden,
Und Leben lehrt auf die erstorb’ne Wange.
Der dunkle Kerker wird zum stolzen Dome,
Zur wahrheit werden unsre Glanzphantome.
Doch, Phantasie, mit deinem Flammenstrome,
Wie arm bist du! Du kannst die schönen Stunden,
So blüthenreich, von Liebesglanz umwunden,
Zurück nicht zaubern, wie ich sie empfuden!
1810
- ?
Kennst du der Jugendliebe glühend Walten,
Umstrahlt von Sternen und umblüht von Rosen?
Dann flammt in dir das Ideal des Großen;
Denn alles Große ist in ihr enthalten.
Mag alles And’re feindlich sich gestalten,
Das Meer dir brausen, Nordorkane tosen;
Nacht wird zum Tag, und selbst dem Hoffnungslosen
Wird sie des Lebens lichten Strahl entfalten.
In Nord und Süd reift diese Himmelsblume,
Gepflegt in unsers Herzens Heiligthume:
Sie führt den Feigen selbst zum Heldenruhme.
Er sucht den Sieg; ihn locket das Verderben,
Und freudig wird er, kann er Lieb’ erwerben,
Im Jubelrufe der Begeist’rung sterben!
1810 - ? als Jerta in Müllner’s
Schuld.
Es war kein Traum. Ein reiches Blüthenleben,
Der Unschuld Hoheit und der Liebe Bangen,
Ihr Hoffen, ihr Entsagen, ihr Verlangen
Sah mild und freundlich ich vorüberschweben.
Vor deiner Reinheit muß die Sünde beben.
Du senkst den Blick? Es glühen deine Wangen?
Wo sich Natur und Kunst so warm umfangen,
Mag auch Bewußtseyn stolz das Haupt erheben.
Dein reiches Wirken und dein Zauber riefen
Gefühle mir, die tief im Innern schliefen.
Belauschest du Natur in ihren Tiefen?
Ja, deine Heimath ist die Höh’. Das Walten
Der Tugend muß sich ewig jung erhalten,
Mag alles And’re welken und veralten!
1810
- ?
Wohl schwelgt Natur in duft’gen Blumentagen,
Wohl darf um frischerblühte Frühlingsrosen
Der Balsamhauch des leichten Westens kosen.
Dich zu berühren darf kein Lenzhauch tragen.
Den Drang der Außenwelt kannst du nicht wagen
Umspielt doch Liebe selbst die Blüthenlosen,
Und du allein nur, schönste der Mimosen,
Du wolltest ihrer ew’gen Gluth entsagen?
Doch bist du glücklich, jungfräuliche Pflanze!
Naht Lieb’ dir nie im ew’gen Strahlenglanze;
Raubt sie auch Blüthen nicht aus deinem Kranze.
Todt sind die Blumen, die mir Liebe glühten.
Wild braust die Zeit; sie kam mit Sturmeswüthen
Und raubte mir den Frühling meiner Blüthen!